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Ein Stern weniger in Parma

October 6, 2016

Hier ein Artikel, der kürzlich in der taz erschien. Die taz steht links, berichtet gerne offen und objektiv. Wir Leser erfahren, dass der Bürgermeister von Parma, der 2012 als Mitglied der Bewegung-5-Sterne gewählt wurde, die Partei verlässt und wahrscheinlich eine eigene Partei gründen wird.

 

Hier der Link. Lesen Sie den Artikel und lesen Sie dann meine Anmerkungen zur objektiven Berichterstattung der taz.

 

http://www.taz.de/Archiv-Suche/!5340939&s=m+s/

 

Mein Kommentar:

 

Ich erfahre, dass Federico Pizzarotti, Bürgermeister von Parma, am Montag den Bruch mit dem Movimento5Stelle (M5S) vollzogen habe. Auf einer Pressekonferenz habe er der vom Komiker Beppe Grillo geführten Fünf-Sterne-Bewegung vorgeworfen, sie habe ihre ursprünglichen Ideale verraten. Als Pizzarotti im Jahr 2012 völlig überraschend das Rathaus der 170.000-Einwohner-Stadt Parma erobert habe, habe er den ersten großen politischen Erfolg des damals noch national als unbedeutend eingeschätzten M5S markiert und sei so zu einer der Symbolfiguren der Bewegung aufgestiegen, gefeiert von Grillo genauso wie von der Basis.

 

Warum wird Grillo an erster Stelle vor der Basis genannt? Erweckt das nicht gleich beim unvoreingenommen Leser den Eindruck, der Mann ist der Chef der Bewegung und hat das Sagen?

 

Weiter im Text der taz.

 

Doch vom M5S-Promi "mutierte er in den folgenden Jahren zunehmend zum Paria." 

 

Lieber taz-Korrespondent Michael Braun, ist das Ihre Wahrnehmung? Oder Fakt? Wenn ja, sollten Sie das genauer erklären. 

 

"Grillo verzieh Pizzarotti nicht, dass er gegen sein Wahlkampfversprechen eine kommunale Müllverbrennungsanlage in Betrieb genommen hatte, weil die Verträge andernfalls der Kommune Strafzahlungen in Millionenhöhe aufgebürdet hätten."

 

Auch hier die einfache Frage: Hat Grillo das gesagt? Wenn nein und das ist lediglich Ihr Eindruck, dann sollten Sie erkenntlich machen, dass das Ihr Eindruck ist. Leben Sie als Korrespondent der taz nicht in Italien? Woher nehmen Sie dieses absolute Wissen um Grillos Empfindungslage?

 

"Pizzarotti fiel als einer der wenigen M5S-Frontleute auf, die immer wieder Kritik an den intransparenten Entscheidungsstrukturen der Bewegung übten."

 

Das ist Fakt, ja. Da stimmt der Indikativ. Aber was meint Herr Pizzarotti mit "intransparenten Entscheidungen der Bewegung"? Vielleicht wäre das einen Artikel wert, was halten Sie davon? Schreiben Sie von dieser Undurchsichtigkeit der Entscheidungen, belegen Sie diese mit nachweisbaren Beispielen.

 

Die Bewegung will den Bürger in die Entscheidungen mit einbeziehen, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit ist ihr Anliegen. Pizzarotti hatte ein Wahlversprechen abgegeben und das nicht erfüllt. Er nahm die Müllverbrennungsanlage in Betrieb, gibt vor, andernfalls hätten die Verträge die Kommune Beträge in Millionenhöhe gekostet. Kennen Sie diese Verträge, Herr Braun, haben Sie sie eingesehen?

 

"Klima der Angst" - so Ihre Überschrift über dem nächsten Absatz. Dort berichten sie korrekt im Indikativ. Ich hoffe, ich darf Sie zitieren und verstoße damit nicht gegen das Copyright. 

 

"Anders als andere Dissidenten wurde er jedoch nicht ausgeschlossen. Im Mai 2016 wurde der Bürgermeister aber von seiner M5S-Mitgliedschaft suspendiert." 

 

Dann nennen Sie den Grund: "Pizzarotti habe ein gegen ihn laufendes Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs verschwiegen."

 

Hier verstehe ich nicht, dass Sie zum Konjunktiv wechseln. Das ist doch ebenso Fakt. Bildet hier Ihr Konjunktiv nicht Ihre eigene Meinung ab? Es ist Tatsache, dass die Bewegung Aufrichtigkeit vor allem von ihren Mitgliedern verlangt. Herr Pizzarotti hat gegen ein Prinzip verstoßen und wurde dafür suspendiert. Das konnte man in der "anderen" Presse lesen.

 

"Das Verfahren ist mittlerweile eingestellt, der Bürgermeister reingewaschen – seine Suspendierung aber blieb."

 

Wieder Fakt, also ist Ihr Indikativ korrekt. Allerdings wundere ich mich über das Wort "reingewaschen". Denken wir Deutschen, wenn wir an Italien denken, nicht sofort: Eine Hand wäscht die andere? Mir vermittelt dieses Wort, Sie denken, alle Italiener seien korrupt. Also auch die in der Bewegung.

 

"Offenkundig zielte Grillo darauf, Pizzarotti so die politische Zukunft zu verbauen." 

 

Offenkundig ... ist subjektiv, denn nicht zu beweisen. Zielte Grillo eigentlich auf die "Verbauung der politischen Zukunft Pizzarottis oder zielte er darauf ab, ihm die Zukunft zu verbauen?

 

"Im Frühjahr 2017 stehen wieder Kommunalwahlen in Parma an, und als suspendiertes Mitglied hätte er nicht erneut für das M5S antreten können.Darauf hat er jetzt reagiert. „Nicht ich habe mich verändert, sondern sie“, erklärte er."

 

Nichts hier auszusetzen. Eine Aussage Pizzarottis. Doch wer hat sich verändert? Pizzarotti "flirtet" mit der PD. Dient er sich Renzi an? Die Bewegung will mit keinem Politik machen, der zur politischen Kaste gehört. Das haben ihre Sprecher immer wieder betont und auch gezeigt. Sie will unter keinen Umständen das politisch Machbare mit den alten Mächten erreichen. Wäre das anders, hätte sie 2013 koalierten können, wäre mit drei, vier Ministerposten belohnt worden.

 

Was aber will Pizzarotti? Nicht wenige in der Partei nennen ihn Verräter. Er vertuscht, er löst Wahlversprechen nicht ein, er sucht den Kontakt zum politischen Gegner. Das verübelte ihm die Bewegung. Denn sie steht für einen radikalen Neuanfang.

 

Dazu muss man wissen, dass die regierende Kaste, sprich die Politiker, in Italien erwiesenermaßen höchst korrupt ist. Nicht wenige Politiker sind wegen Veruntreuung, Vorteilsnahme verurteilt oder es laufen Ermittlungsverfahren gegen sie, was überhaupt keinen der Kaste zu stören scheint, sitzen diese Leute doch weiterhin im Parlament, im Senat. Wer in seiner Partei nicht weiterkommt, wechselt mal schnell zum politischen Gegner.

 

Wer nicht zur politischen Kaste gehört, lebt in diesem Staat und weiß, wie er auf wundersame Weise sich ein feines Leben schaffen kann. Er kennt Korruption von Kindesbeinen an, denn wenn "oben" korrupt erfolgreich vorgelebt wird, dann wird sie auch "unten" praktiziert. Muss man ja, um zu überleben. Dann kommt da eine neue Partei, die hat mächtig Zulauf, die scheint geeignet für eine materiell abgesicherte Zukunft. Na, da lohnt es sich vielleicht mitzumachen, gleich welche Politik sie wollen, Hauptsache, ich bin dabei.

 

Diese Bedrohung ihrer Ideale sieht die Bewegung. Diese Bedrohung wird schnell zum Skandal, auf den sich die Presse stürzt. Und sogleich wird in den Gazetten und den TV-Nachrichten und  -Shows bewiesen, die Bewegung ist nichts Neues, die Leute dort sind genauso wie die anderen. Und so fürchtet M5S, dass ihre Utopie scheitert.

 

Auch dies muss die Bewegung fürchten: Infiltration. Leute werden eingeschleust, um entweder Einfluss auf das politische Handeln zu nehmen, denn die Mafia hat viel zu verlieren. Auch der politische Gegner könnte infiltrieren, um des Machterhalts wegen zu diskreditieren. Und da ist auch dieses Wissen: Mafia und Politik sind in diesem Land seit Andreotti miteinander verwoben.

 

Die Bewegung versucht eine Utopie umzusetzen. Das ist eine Revolution. Gehört zu einer Revolution nicht das strikte Befolgen der Grundsätze, die man sich gegeben hat? Die Bewegung ermordet den politischen Gegner, den Abtrünnigen, den Abweichler, den Opportunisten nicht -  sie suspendiert oder verstößt solche Leute. Auch das ist eine Revolution.

 

Es wird interessant sein, in acht Jahren zu sehen, wo und wie Herr Pizzarotti politisch tätig ist.

 

 

 

Zurück zum Artikel.

 

„Taliban“ und „ignorante Karrieristen“ beherrschten die Szene, im M5S herrsche ein Klima der Angst.

 

Das sind ja starke Aussagen, die machen Spaß und machen Meinung. Gerade deswegen sollten diese Äußerungen unbedingt hinterfragt werden. Der Leser würde diese Aussage bestimmt anders aufnehmen,  läse er diese Stelle im Artikel so: „Taliban“ und „ignorante Karrieristen“ beherrschten die Szene, im M5S herrsche ein Klima der Angst" behauptet Pizzarotti.

 

"Es gilt als wahrscheinlich, dass er im nächsten Jahr mit einer unabhängigen Bürgerliste zu den Kommunalwahlen antritt."

 

Ja,, der letzte Satz kann so stehenbleiben. Dass Pizzarotti seinen Bürgermeisterposten nicht aufgibt, wäre doch ziemlich unwahrscheinlich. Er schrieb auch ein Buch, in dem er mit der Bewegung abrechnet, das wurde Ende September veröffentlicht. Renzi freut sich sicher darüber, die Sympathisanten mit der Bewegung müssen viel nachdenken. Das Referendum wird am 5. Dezember abgehalten. Das wird spannend.

 

Ich hoffe, Journalisten, die wirklich objektiv arbeiten wollen, lesen diese Überprüfung des Artikels aus der taz aufmerksam durch und denken daran, wenn sie wieder über die Bewegung schreiben.

 

 

Abschließend dieser Link, in dem zu lesen ist, was der Bewegung an Pizzarottis Verhalten nicht gefiel. 

 

http://www.lettera43.it/cronaca/renzi-a-parma-scontri-tra-polizia-e-centri-sociali_43675148352.htm

 

... Nachmittags traf der Premier die Bürgermeister der Gemeinden um Parma, besonders wichtig das Trefffen mit Federico Pizzarotti, 5-Sterne-Bürgermeister Parmas, der wegen seiner Dialogbereitschaft mit der PD von Beppe Grillo mit Argusaugen beobachtet wird. 

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