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Kaum Nachrichten aus Italien

November 19, 2016

 

Bis vor drei Tagen fand ich keinerlei Nachrichten aus Italien in unseren großen Zeitungen oder im Fernsehen. Passiert denn da nichts? Dabei steht doch das Referendum an, mit dem in Italien eine neue Ära der Politik eingeläutet werden soll. Die Wohlergehen schafft, weil die beiden Kammern nicht mehr so wie früher existieren, nur eine entscheidet, genauer die Partei, die im Parlament die Mehrheit hat. Sie ernennt verfassungsgemäß nach der veränderten Verfassung die Mitglieder des Senats.

 

So ruhig wie es scheint, geht es aber in Italien gar nicht zu. Auf den Straßen und Plätzen, auf manchen Fernsehkanälen sind die Italiener sehr aktiv. Die einen für das Ja, die anderen für das Nein. Die PD mit Renzi an der Spitze nimmt einiges Geld in die Hand, um Italiener im Ausland zu mobilisieren - das sind vier Millionen. Die erhalten ihre Wahlunterlagen, beiliegend ein feiner Brief, mit dem zum Ja aufgefordert wird. Äußerst demokratisch ist das nicht, in solch einem Brief müssten nach meinem Verständnis sowohl das Pro als auch das Contra aufgelistet sein, denn bezahlt wurde diese Drucksache von allen Italienern.

 

Der vierte Dezember wird auf jeden Fall spannend. In den Umfragen liegen die Gegner der Verfassungsänderung vorne. Das will aber nichts sagen, wie wir doch dieses Jahr bereits zweimal erfahren haben. Es sieht so aus, als taugten Meinungsumfragen nichts mehr. Aber vielleicht zeigen die Befragungen etwas anderes, nämlich was der Einzelne denkt, was die anderen denken. Denn der Einzeln artikuliert nicht länger seine eigene Meinung in diesen Umfragen, das könnte ja unbequem werden, wenn man nach der Wahl im Lager steht, das verloren hat. Aber in der Wahlkabine, da kreuzt man dann an, was man wirklich denkt. Ob das ein neues Phänomen ist, werden wir hier 2017 erfahren, seien wir gespannt.

 

Vor einigen Tagen fand ich endlich einmal wieder - in der Frankfurter Rundschau - einen lesenswerten Artikel von der Italien-Korrespondentin und einem Wirtschaftsredakteur des Blattes, Regina Kerner und Stephan Kaufmann. Sie finden den Artikel unter "EUROKRISE". Interessant, weil er wunderbar zeigt, warum wir von unseren Medien so wenig aus Italien hören, sehen und lesen.

 

Lesen Sie den Beitrag aufmerksam durch, finden Sie dort durchaus auch Hinweise darauf, was der Sinn der EU eigentlich ist, wessen Interessen sie dienen soll. Der Völkerverständigung, dem Zusammenwachsen der Völker, wie uns immer wieder erklärt wird? Oder haben die Kritiker recht, die sagen, diese Union diene vor allem den wirtschaftlichen Interessen der Banken und großen Konzerne? Die Bewegung-5-Sterne wirft - unter anderem - Renzi vor, er setze einzig die Vorgaben von JP Morgan um. Nach Lesen dieses Artikels kommt mir der Verdacht, es ist tatsächlich so und das geht auch mich hier in Deutschland sehr viel an. Seit 1980 ist die reale Kaufkraft unserer Gehälter um 16 Prozent zurückgegangen, so las ich in einer Statistik und schaue ich mich um, sehe ich, manchen geht es besser, aber vielen geht es schlechter. 

 

Unruhe in Italien nimmt zu

Die drittgrößte Volkswirtschaft Europas wächst seit Jahren kaum. Die Unzufriedenheit ist hoch. Und die Regierung steht vor einer Niederlage.

 

http://www.fr-online.de/wirtschaft/eurokrise-unruhe-in-italien-nimmt-zu,1472780,34944714.html

 

Der Regierung drohe beim Referendum eine Niederlage, so sei der vierte Dezember eine Schicksalswahl. Eine Krise in der drittgrößten Ökonomie der Eurozone könnte die Währungsunion an den Rand des Abgrunds schieben ... Weiter erklären die Autoren, der Ausgang des Referendums könnte den Stein ins Rollen bringen, was Investoren und Ökonomen derzeit so sehr fürchteten. Renzi könnte zum Rücktritt gezwungen werden, die Bewegung-5-Sterne könnte die Wahl gewinnen - und die Bewegung sei EU-kritisch ... auch ein ItalExit sei möglich.

 

 

 

 

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