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So wie vorhergesagt - und unsere Presse schürt und schreibt schön

May 29, 2018

Inzwischen ist ja viel passiert - und es ist so gekommen, wie ich es schon gleich nach der Wahl beschrieb: Der italienische Präsident hat sich für "seine Regierung" entschieden. Anlass: ein Minister, der Europa-Kritisches schon gesagt hatte, aber sich klar für einen Verbleib in der EU aussprach. Einzig am Procedere wollte er etwas ändern. Doch der Präsident interpretierte seinen verfassungsgemäßen Auftrag anders und wollte verhindern, dass die Rating-Agenturen Italien zurückstufen. Er ließ sich von Macron, Merkel und unserer deutschen Presse (auf wen hört die eigentlich?) einschüchtern, die  schlimmste Szenarien beschrieben hatten, käme es zu einer Regierung der "Populisten".

 

Ich bin nicht stolz darauf, dass ich den Ausgang korrekt voraussagte. Vielmehr bin ich noch immer geschockt über das Verbot des italienischen Präsidenten, dass zwei Parteien, die von den Wählern die Mehrheit bekamen, nicht regieren dürfen. Ich bin schockiert, so deutlich war noch nie zu sehen, wer uns EUler leitet, also regiert. Wollen wir das?

Im Weinregal bei REWE sehe ich meine liebsten Weine nicht mehr. Warum? Etwa weil, wer ins Regal will, erst einmal Unsummen an Regal-Gebühren zahlen muss?

 

Nein, ich will nicht, das Konzerne sich immer mehr konzentrieren und verschmelzen, aufgekauft werden. Big Brother ist da und er schreibt mir vor, was ich esse, was ich denke, was ich fühle. Mein Schnitzel ist billig, jeden Tag kann ich eins essen. Meine Körperdimensionen verändern sich. Dick ist schick ... oiiii, und wie weh das meinen Augen tut.

 

Brave new world, tapfere neue Welt, ja, geben wir tapfer unsere Selbstbestimmung auf, gestorben wird eh. Und bevor wir sterben, können wir uns ja gegen Bluthochdruck, Fettleibigkeit und vieles mehr behandeln lassen. Das hilft dem Staat. Gibt Arbeitsplätze, lässt Maschinen, die uns untersuchen, richtig rentabel werden.

 

Aiiii, ich bin soooo wütend. Und besonders wütend, weil ich sehe, wie diese Italiener, die etwas anderes wollen, hier verteufelt werden.

 

Gestern erlebten wir das Eingeständnis des italienischen Präsidenten ... nicht die Politiker entscheiden, sondern die Wirtschaftsbosse.

 

Wir Deutschen sind stolz darauf, das Land der Dichter und Denker zu sein. Unser großer deutscher Denker und Dichter, Herr Goethe, stand der Aufklärung, die aus Frankreich überschwappte, kritisch gegenüber. Er stand im Sold seines Landesfürsten, das lässt überlegen. Und sein Kollege Schiller wäre der erste gewesen, der heute auf die Straße ginge.

 

Genug, habt ihr kapiert, wir werden verkauft an Konzerne, wir müssen konsumieren, damit es denen gut geht. Geht es uns besser mit der EU ... als Wirtschaftsunion?

 

Vor drei Jahren war ich zu Ostern im Frankenland, also unserem Frankenland. Feine Menschen, locker und stolz. Der Bauer, bei dem ich übernachtete erzählte mir, dass sich einige seiner Kollegen umgebracht hätten, weil sie dieses System der EU nicht mehr ausgehalten hätten.

 

Um zum Schluss zu kommen: Italien geht uns alle an. Dort wurde der Wählerwillen ignoriert. Deutsche Journalisten schrieben, die beiden Parteien, die eine Regierung bilden wollten, seien gescheitert. Das ist definitiv nicht wahr. Die beiden sind nicht gescheitert, der Präsident hat sie verboten.

 

Ende der Demokratie. Ich hoffe, die Italiener gehen auf die Straße. Die Franzosen werden das demnächst auch tun. Und dann wird die Wirtschaftsunion wohl darauf eingehen und sich Gedanken machen müssen über Veränderungen.Nein, auf dem Schaffot will ich die Politiker-Kaste nicht sehen. Ich will sie einfach nicht mehr sehen. Und stattdessen Menschen, die intelligent sind und ihre politischen Posten zum Wohle ihres Volkes nutzen.

 

Populismus. Grrrr. wie gern das Wort hier benutzt wird, dabei sind doch alle Parteien populistisch. Ich bin gerne Populist. Doch ich verstehe das Wort "rein". Will sagen: Das Volk soll für Ideen gewonnen werden. Das Volk ist kein Vieh. Man versucht es zu verdummen, aber die Italiener zeigten, sie haben die Nase voll von ihren Politikern, die ihr Amt nutzen, um sich persönlich zu bereichern. Einen Gruß bei diesem Gedanken an Herrn Schröder.

 

Was werden die Neuwahlen bringen, die so sehr schnell kommen werden? Was passiert, wenn noch mehr Italiener für ein anders regiertes Italien wählen? Oder werden die Italiener wieder brav werden, sich kuschen und sich den Banken und Rating-Agenturen unterwerfen? Ich bezweifele das.

 

Ihr tollen Politiker Europas, brennende Vertreter der Eu ... ihr müsst keine Angst haben, wenn diese Wirtschaftsunion scheitert, ihr bekommt sicher nach dem Scheitern gut bezahlte Jobs, egal, ob ihr die Materie beherrscht oder nicht. Aber findet euch damit ab, EU als Wirtschaftsunion bringt uns Bürgern Europas nichts, gar nichts. Wir verdienen weniger und wenn wir protestieren, gibt man unsere Arbeitsplätze an die Schwächeren in der EU, die für weniger Geld und schlechtere Arbeitsbedingungen zu uns kommen, um zu arbeiten. Und in Italien hat sich gerade gezeigt, dass der Wirtschaftsunion die Menschen am Arsch vorbeigehen und Demokratie nicht mehr existiert.

 

Welch armselige Welt ist das. Wir müssen auf die Straßen gehen, europaweit ... naja, die Demokratien in Ungarn und Polen oder wen habe ich vergessen, vielleicht uns Deutsche? Die gehen garantiert nicht auf die Straße, weil doch Merkel sagt und die Rating-Agenturen zeigen uns in Prozenten, wie gut es uns geht.

 

Gute Nacht von hier. Gestern war ein historischer Tag für die italienische Demokratie. Für mich, für viele Italiener ein trauriger Tag, für viele hoffentlich ein Tag, der sie kapieren lässt, dass es Zeit wird, Demokratie zu leben und dafür auf die Straße zu gehen und den eigenen Unwillen kundzutun. Das wird am 2. Juni in Rom so sein, lassen wir uns überraschen, wie viele Menschen sich dort Rom zeigen, welche Form von Demokratie sie sich wünschen.

 

Mein Blog richtet sich hauptsächlich an deutsche Journalisten, hier schrieb ich meine Meinung, überlegt ihr einmal, wie ihr weiterhin über Italien berichten wollt. Überlegt euch gut, ob ihr Wörter wie "Deutschen-Hasser" oder "Populisten" in euren Artikeln weiterhin so unreflektiert verwendet. Ich persönlich kenne keine Italienerin, keinen Italiener, der Deutsche nicht mag. Ich kenne aber einige oder sogar mehrere, die Frau Merkels Politik nicht mögen. Und da muss man doch überlegen, ob sie damit vielleicht recht haben.

 

 

 

 

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