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Und zweitens anders als man denkt

June 4, 2018

Drei Tage unterwegs und in diesen drei Tagen veränderte sich so viel. Und ich muss mich korrigieren - was ich gerne tue. Der italienische Staatspräsident erteilte doch noch der Bewegung Fünf Sterne sowie der Lega den Regierungsauftrag. Für uns hier in Deutschland etwas Unvorstellbares, was man einmal erklärt, dabei bleibt man doch, nicht wahr?

 

Was bewog wohl Matterella seine Meinung zu ändern? Das ist bisher sein Geheimnis, wir können nur spekulieren. Sah er keine andere Möglichkeit mehr, schnelle Neuwahlen zu verhindern mit der Gefahr einer noch stärkeren Koalition dann? Oder hat er doch an das Wohlergehen seiner Landsleute gedacht? Hat er politisch weise gehandelt, wenn auch nur zögerlich, weil er erkannt hat, dass in diesem Europa die Märkte regieren und unbarmherzig alles fressen, was ihnen in die Quere kommt, denn sie müssen ja wachsen?

 

Eines Tages werden wir erfahren, warum er schließlich so handelte. Bis dahin sollten unsere deutschen Journalistischen vor Ort in Italien einfach gut hinschauen und berichten, was sich ändert, statt stets nur das Negative aufzuzeigen und Ängste zu schüren.

 

Einen nachdenkenswerten Artikel las ich ihm Spiegel Online. Der Autor erklärt sachlich und sauber, was da in Italien passiert ist. Das Lieblingswort unserer Schreibenden "Populismus" kommt nur einmal - in der Überschrift - vor.

 

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/italien-und-die-eu-populismus-ist-das-symptom-nicht-das-problem-a-1210691.html

 

Georg Diez erklärt zwar nicht, dass die Italiener in erster Linie die Politiker der regierenden Parteien einfach nicht mehr sehen und hören wollen, er konzentriert sich einzig darauf, dass die Italiener sich von Europa verlassen fühlen und erklärt die Gründe dafür. Ein Artikel, der mir aus dem Herzen spricht.

 

Er spricht von den europafeindlichen Institutionen der EU selbst, von den Denk- und Handlungsweisen, mit denen sich die immer schon vorhandenen illiberalen Kräfte innerhalb der EU verstärkt haben und davon, dass sich die EU vom Gedanken der Solidarität verabschiedet hat und es zugelassen hat, dass die Spaltkräfte in den vergangenen zehn Jahren immer größer geworden sind. Er nennt die Vorgänge in Italien eine

Reaktion auf etwas mit Vorgeschichte, deren verschiedene Etappen man aufzählen kann. Er sagt, das sei einerseits Teil einer Revolte gegen die Globalisierung, wie sie auch Trump führt, also gegen die neoliberale Weltordnung, wie sie in den neunziger Jahren Realität wurde und den Staat, die Politik, die Gesellschaft durch den Markt ersetzt habe und so das Vertrauen in das System zerstört worden sei.

 

Ich kann Ihnen diesen Artikel nur empfehlen, Sie werden viel mehr nach dem Lesen verstehen.

 

 

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