Search By Tags
Please reload

Brief Virginia Raggis an Menschen, die ihr den Tod wünschen

June 10, 2019

Lang ist´s her, dass ich hier einen Eintrag losschickte. Lag an den Gegebenheiten. Hier und in Rom.

 

Das Hier interessiert nicht, Rom aber ja. Aufmerksam verfolge ich nach wie vor die Bewegung-Fünf-Sterne. Nach wie vor bin ich  - trotz Salvini - noch immer ein überzeugter Anhänger von ihr. Und die Ergebnisse der Europa-Wahlen haben mir natürlich zugesetzt. Sind alle ItalianerInnen Ignoranten habe ich mich gefragt. Um ehrlich zu sein, ich denke, viele sind es tatsächlich. Sie wählen die, die in Korruption verstrickt sind, dafür verurteilt wurden oder auf ein Urteil warten. Und Berlusconi sitzt demnächst im Europa-Parlament. Aiiiiiii.

 

Rom liegt mir am Herzen. So oft ich kann, bin ich dort und wie sehr hoffe ich, bald dort für immer zu sein. Ich sehe jedes Mal, wenn ich wieder da bin, Veränderungen zum Guten. Ich höre aber auch, dass viele Römer, die ich kenne, von der Bürgermeisterin enttäuscht sind. Ihre Argumente: Es ändert sich nichts. Dann denke ich allgemein an uns Menschen, die wir uns tagtäglich begegnen. Mhmm, da verändert sich nichts. Meinungen bleiben bestehen, nichts ... oder wenig ändert sich.

 

Auch Artikel in den Zeitungen hier erzählen immer Gleiches. Was die Bewegung-Fünf-Sterne-betrifft, lese ich Häme. Ja, man weiß es besser.

 

Zurück nach Rom und zur Bürgermeisterin. Klar ist, folgt man den Medien: Sie hat versagt. Folge ich den Freunden in Rom: Mhmm, wir reden besser nicht darüber. Halt, das ist nicht ganz fair. Sie denken schon ein wenig nach.

 

Auf Facebook folge ich ihr und den Gruppen, die sie lieben und da schleichen sich immer wieder auch Menschen ein, die sie madig zu machen versuchen. Grrrr, das entbehrt jedem Menschenverstand. Aber so ist es eben.

 

Virginia schrieb vor einigen Tagen einen Öffentlichen Brief an Menschen, die ihr den Tod wünschten, weil in deren Straße Arbeiten begonnen, jedoch nicht beendet wurden. Die Bürgermeisterin von Rom erlebt viele Anfeindungen, denn sie hat Dinge veranlasst, also getan, die kein Bürgermeister dieser Stadt sich je gewagt hat zuvor. Dem "Eine Hand wächst die andere" hat sie den Kampf angesagt und sie geht dagegen vor. Welch Mut!

 

Darum poste ich hier den übersetzten Brief von ihr. Es geht darum, man wünschte ihr einen baldigen Tod. Und so reagiert sie darauf:

 

Auf einer Facebook-Seite hat man mir den Tod gewünscht, weil eine Wartungsfirma ihre Arbeit nicht gut gemacht hat. Abgesehen von der Frage der Verantwortlichkeit für die Kontrolle für die Arbeiten, die dem Rathaus obliegt, habe ich beschlossen, diesen Leuten zu schreiben und sie - nicht ohne Ironie - einzuladen (wir sind ja in Rom), konstruktiver zusammenzuarbeiten und doch zu vermeiden, mir einen baldigen Tod zu wünschen. An diese Menschen wende ich mich: Ich stelle fest, dass mich die Tatsache, dass sie auf meinen Tod warten, nicht sonderlich verärgert, da wir alle früher oder später so enden werden.

 

Was mich eher aufregt, ist vielmehr, dass Sie, während Sie auf mein Ableben warten, beschlossen haben, Ihre Zeit mit nutzlosen Angriffen zu verbringen, während Sie sie dazu hätten verwenden können, etwas viel Nützlicheres für unsere Stadt zu tun, die Sie sehr zu lieben scheinen. Zum Beispiel?

 

Zunächst einmal - informieren Sie sich über die Zuständigkeit für die Instandhaltung der Straßen von Trastevere. Mit dem Internet ist es jetzt doch so einfach, Und auch wir haben daran gedacht, den Bürgern zu helfen, indem wir auf der Website „neue Straßen“ (https://www.comune.roma.it/servizi2/stradenuove/index.jsp) ein einfaches Fenster geschaffen haben, das nach Eingabe des Straßennamens sofort die die für die Straße zuständige Stelle nennt.

 

In dieser ständigen ängstlichen Erwartung des Tages, der kommen wird, hätten Sie sich dort auch über folgende Tatsache informieren können:  Wenn die Versorgungsunternehmen Grabungen zur Reparatur von Rohren durchführen oder Glasfaserkabel in alle Häuser verlegen, erfolgt zuerst nur eine provisorische Instandsetzung, da das Erdreich, der Untergrund dort ca. 60 Tage braucht, um sich zu setzen.

 

Mit diesem Wissen hätten die Klügsten, leider nicht Sie, schnell gerechnet und verstanden, dass, wenn die Straße schon längere Zeit in diesem Zustand war, die für die Arbeiten an der U-Bahn zuständige Firma vielleicht ihr „Werk“ nicht vollständig beendet hatte und folglich derjenige, der dies hätte kontrollieren müssen, seine Arbeit nicht gemacht hat.

 

Wie dem auch sei, ich werde mich nun als Bürgermeisterin dieser schönen Stadt, gemeinsam mit dem Präsidenten des Ersten Bezirks, Ihres recht verbitterten Hinweises annehmen - auch wenn die Verantwortlichkeit der fraglichen Straße beim Ersten Bezirk liegt, da ich denke, dass Ihr Hinweis die einzige Benachrichtigung darstellt, die Sie jemals zu machen gedachten - um dann gemeinsam herauszufinden,  welche Firma die Straße unverzüglich instand zu setzen hat und warum der Präsident seinen angestellten Technikern nicht aufgetragen hat, die Arbeiten zu überprüfen.


In Anbetracht Ihrer offensichtlichen Leidenschaft für das Kopfsteinpflaster, welche – um Zweifeln vorzubeugen - auch die meine ist, sage ich Ihnen, dass nächste Woche eine wichtige Konferenz gerade zu diesem Thema stattfinden wird: Ich hoffe, Sie werden ihr folgen, weil Sie sehr interessante Dinge entdecken könnten!


P.S.


Für die Konferenz empfehle ich Ihnen, einen Notizblock mitzubringen und die Voodoo-Puppe zu Hause zu lassen ...

 

 

Das ihr Brief an die, die ihr den Tod wünschen. Ist diese Frau nicht zu bewundern?

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

  • Facebook Black Round
  • Google+ - Black Circle
  • Twitter Black Round